1731 Gottfried Silbermann-Orgel

Ev.-Luth. Kirche, Reinhardtsgrimma/Sachsen, Deutschland

Zum Start der Fotogalerie bitte auf das Bild klicken

01-gottfried silbermann organ 02-church nave 04-organ console 05-right stop jamb

Kurze Einführung und Geschichtliches

Das Instrument befindet sich in einer historischen Dorfkirche in Ostdeutschland in der Nähe Dresdens. Die heutige Kirche basiert auf einem Kirchenbau aus dem 13. Jahrhundert, der während der darauf folgenden Jahrhunderte immer wieder überarbeitet und erweitert wurde, zuletzt 1742. Die Akustik der Kirche ist aufgrund der vielen Holzeinbauten sehr trocken und klar.

Die Orgel wurde 1729-31 durch Gottfried Silbermann aus Frauenstein/Sachsen erbaut.
Gottfried Silbermann-Orgeln lassen sich in verschiedene Architekturklassen einteilen. Dieses Instrument repräsentiert den mittelgroßen Dorforgel-Typ und war eines der Lieblingsinstrumente von Helmut Walcha und dem Dresdener Kreuzorganisten Herbert Collum.

Typische Gottfried Silbermann-Orgelmerkmale sind starke und  scharfe Aliquote, wie 1 1/2' und 3', volle und warme 8'-Prinzipale und helle Superoktav-Register 4', 2' und 1'. Charakteristische ausdrucksvolle Register sind Rohrflöte 8' und Quintadena 8'. Der Plenum-Klang ist klar und sehr kraftvoll und benötigt dazu nicht viele Register.

Das Instrument ist im sog. historischen Chorton gestimmt (a1=465 Hz). Fast alle Pfeifen sind original, speziell die Prospektpfeifen (Principal 8). Viele historische Orgeln büßten ihre Prospektpfeifen aufgrund der Zwangsabgabe im 1. Weltkrieg ein. Trotzdem musste das Instrument verschiedene schwerere Eingriffe ertragen, so beispielsweise 1852, wo die Pfeifen wegen der nun gleichstufigen Stimmung abgeschnitten und umgesetzt wurden. Eine freie Pedalkoppel wurde eingebaut. Die Intonation wurde dem Zeitgeschmack entsprechend teilweise verändert und 1909 sogar ein Salicional 8'-Register auf pneumatischer (!) Zusatzlade eingebaut.

1953 wurde der Winddruck sehr stark von 94 mm auf 70 mm herunter gesetzt, wodurch größere Intonationsänderungen vorgenommen werden mussten. Das Resultat war eine deutlich schwächere und wind-instabile Orgel (hierzu ein Beispiel aus einer historischen Schallplatten-Aufnahme dieser Zeit mit Herbert Collum)

1997 wurde die Orgelbauwerkstatt Wegscheider aus Dresden beauftragt, die Orgel wieder zu restaurieren und zu rekonstruieren, den ursprünglichen Winddruck und das Windsystem wieder herzustellen und die veränderte Intonation wieder rückgängig zu machen. Ermöglicht wurde dies durch eine großzügige Spende eines Mäzens.

Da die originale Stimmung verloren gegangen war, wurde eine Stimmung nach Wegscheider gelegt, die sich an Silbermann orientiert. Diese Stimmung soll vor allem die Begleitung von barocker Kammermusik unterstützen und zeichnet sich durch reine Grundtonarten aus.

Das Instrument mit seinen zwei Manualen und Pedal mit jeweils fehlendem tiefen C#, mechanischer Spiel- und Register-Traktur und einer Manualschiebekoppel ist voll spielbar und in sehr gutem Zustand.

Die Kirche hat eine trockene Akustik mit maximal 2 Sekunden Nachhallzeit

Position in Googlemaps

Aufnahmetechnik

Die Orgel wurde erstmalig im Mai 2003 mit 44.1 kHz, 16-bit in Multi-Kanaltechnik für Hauptwerk 1 aufgenommen und 2006 für HW2 neu bearbeitet.

Eine komplette Neuaufnahme wurde im Mai 2010 mit 48 kHz, 24-bit in Multi-Kanaltechnik für Hauptwerk 3 mit mehreren Nachhall-Antworten für kurze und lange Tondauern zur optimalen Raumabbildung durchgeführt (sog. Multi-Release-Technik von OrganArt). Zusätzlich wurden alle Register mit originalem Tremulanten aufgenommen. Ein Upgrade wird für alle Kunden verfügbar sein.

Danksagung

Dank gelten der Pfarrgemeinde Reinhardtsgrimma und Pfarrer Keller, die dieses Projekt unterstützt haben. Spezieller Dank auch an Orgelwerkstatt Kristian Wegscheider für viele hilfreiche Informationen und Orgelbauer Herzog für die Geduld beim Stimmen der Mixturen. Nicht zuletzt gilt der Dank meiner Frau, die alle Projekte assistiert und für die fotografischen Arbeiten verantwortlich ist.