1675/88 Hus/Arp Schnitger-Orgel

Ev.-Luth. Kirchengemeinde St. Cosmae et Damiani

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01-organ gallery 02-st. cosmae church 03-altar christian precht hamburg 1674-77 04-church patrons st. cosmas and st. damian 05-vincent luebeck 1654-1740 06-organ gallery 07-organ console with rueckpositiv 08-oberwerk wind chest with spring chests opened 09-rueckpositiv-wind chest

Kurze Einführung und Geschichtliches

Die Hus-Schnitger-Orgel von Stade in St. Cosmae/Niedersachsen mit ihren drei Manualen und 42 Registern auf 16-Fuß-Basis, gilt heute als eine der bedeutendsten großen norddeutschen Barockorgeln dieser Zeit. Sie erlaubt einen Einblick in die norddeutsche Orgelkultur des 16. und 17. Jahrhunderts und eine authentische Darstellung der Orgelkompositionen dieser Zeit. Das Instrument hat einen außergewöhnlich großen originalen Pfeifenbestand. Die meisten Zungenregister sind original erhalten. Erster Organist war Vincent Lübeck im Jahre 1675, der hier fast 30 Jahre wirkte.

Nach Ende des dreißigjährigen Kriegs 1648 (dem Geburtsjahr Arp Schnitgers), der weite Teile Deutschlands auch kulturell verwüstet hatte, war der Bau einer großen Orgel, wie der von St. Cosmae in Stade ein bemerkenswertes Projekt einer neuen Zeit. Stade war zu dieser Zeit Regierungshauptstadt der schwedischen Herzogtümer Bremen und Verden.

Nach dem großen Stadtbrand von 1659, der auch die Cosmae-Kirche und die Vorgängerorgel zerstört hatte und dem Wiederaufbau, wurde 1668 der Orgelbaumeister Berendt Hus aus mit dem Bau einer neuen großen Orgel für St. Cosmae beauftragt.

1666 trat Arp Schnitger mit 18 Jahren in die Werkstatt seines Onkels Hus ein. 1670 wird Arp Schnitger 22-jährig offiziell erstmalig als Geselle von Hus erwähnt. Die ungewöhnlich hohe Besoldung zeigt die besondere Wertschätzung Arp Schnitgers,  dem bereits hier eine wichtige Rolle im Orgelbau zuteil wurde.

Der Bau erfolgte in verschiedenen Etappen, ein Kontrakt für die gesamte Orgel ist leider nicht erhalten. 1670 wurde die Balganlage und das Hauptwerk (Oberwerk) mit den doppelten Springladen fertig gestellt und mit dem Bau des Rückpositivs begonnen. Der Prospekt der Hus-Schnitger-Orgel zeigt den typischen Aufbau des sog. Hamburger Prospekts mit Pedalwerk, Hauptwerk, Brustwerk und Rückpositiv.

1671 wurde nach Fertigstellung des Rückpositivs der Vertrag für das Pedalwerk abgeschlossen. Das Brustwerk wurde offenbar 1672 fertig gestellt. Die endgültige Fertigstellung erfolgte 1675. Das Instrument hat 42 Register und steht einen Ganzton über normal. Arp Schnitger wurde mit einer Gratifikation für die wertvolle Mitarbeit besonders gewürdigt. Vermutlich hat Schnitger auf Anregung von Lübeck hin im Jahre 1688 vier neue Register eingebaut, die Trommet 16 und Cimbel im Hauptwerk, sowie Krumphorn 8 und Schalmey 4 im Brustwerk.

Verschiedene Eingriffe wurden in den folgenden Jahrhunderten vorgenommen. Eine systematische Restaurierung fand 1972 durch Orgelwerkstatt Jürgen Ahrend /Leer-Loga mit Rekonstruktion der alten Empore und Rekonstruktion des Rückpositiv-Gehäuses in  der Brüstung statt. Eine weitere Nachbearbeitung wurde durch Orgelwerkstatt Jürgen Ahrend 1993-94 vorgenommen. Eine neue Farbfassung des Gehäuses nach modernen Analysen zur historischen Substanz wurde 2008 durchgeführt.

Das Instrument trägt deutlich erkennbar die Handschrift beider Orgelbauer. Während das Hauptwerk doppelte Springladen aufweist, befinden sich in Rückpositiv, Brust- und Pedalwerk Schleifladen. Soweit bekannt, baute Hus nur Springladen, während Arp Schnitger sich für Schleifladen entschieden hatte, die in ihrer Konstruktion einfacher als die Springladen herzustellen sind.
Das Pfeifenwerk zeigt eine andere Charakteristik als das der noch existierenden Hus-Orgeln. Der Spät-Renaissance/Frühbarock-Stil von Hus bevorzugt mildere Klangfarben, während der Schnitger-Klang den typischen helleren, klareren und schärferen Klang, vor allem der Mixturen, und eine hohe Verschmelzungsfähigkeit der Zungenregister aufweist. Dies alles zeigt, dass Arp Schnitger offenbar bereits maßgeblichen Einfluss beim Bau dieser Orgel hatte.

Die Hus-Schnitger-Orgel gilt heute als eine der bedeutendsten großen norddeutschen Barockorgeln und ist Ziel vieler Konzerte, Organisten, Orgelstudienfahrten und Workshops und war der Grundstein für Arp Schnitgers beispiellose Karriere.

Ortsposition in Googlemaps

 

Aufnahmetechnik

Das Instrument wurde im Okt./Nov. 2008 mit 48 kHz, 24 Bit, Multikanaltechnik für Hauptwerk 3 mit mehreren Nachhall-Antworten für kurze, mittlere und lange Tondauern aufgenommen (sog. Multi-Release-Technik von OrganArt). Das Trechter Regal-Zungenregister wurden zusätzlich mit originalem Tremulanten-Klang aufgenommen.

Danksagung

Ganz besonderen Dank gilt der Pfarrgemeide von Stade, die Zustimmung zu diesem Projekt gegeben haben. Speziellen Dank gilt dem Hauptorganisten KMD Martin Böcker für hilfreiche Informationen und Diskussionen, so wie Orgelbau Ahrend für die Vorbereitung des Instruments zur Aufnahme!

Nicht zuletzt gilt der Dank meiner Frau, die alle Projekte assistiert und für die fotografische Dokumentation verantwortlich ist.